Bestseller-Autorin Donna Leon (80) sieht eine neue Zeit der Zensur gekommen. „Wir leben jetzt in einer Welt, in der man nichts schreiben darf, was Leser kränkt, überrascht, verletzt, verstört oder in irgendeiner anderen Weise Empfindlichkeiten berührt“, so die Schriftstellerin in einem Interview der Neuen Osnabrücker Zeitung: „Das gefällt mir ganz und gar nicht. Das nennt man Zensur.“
Bekommt Self-Publishing noch größeres Gewicht?
Publikumsverlage haben durch ihr Schielen auf reine Gewinnmaximierung schon lange ihre Gate-Keeper-Funktion verloren. Veröffentlicht wird, was die Kasse klingeln lässt, neue Autoren aufzubauen oder kulturell Wertvolles für eine kleine Leserschaft anzubieten ist out. Das, was veröffentlicht wird, muss auch noch einem vermeintlichen Massengeschmack angepasst werden. Nun also auch noch die Schere im Kopf, die zur Schere im (Buch-)Papier wird? Viele in der Branche sehen genau diese Entwicklung bereits als neue Realität.
Damit könnte Self-Publishing noch mehr in den Fokus rücken. Werden dort mittlerweile die klassischen Verlagsaufgaben übernommen und eine nie gekannte Vielfalt produziert, so wird nun noch deutlicher, dass hier keine Zensur stattfindet. Das hat Vor- und Nachteile, wie im richtigen Leben, fördert aber die Gesellschaft. Ganz im Gegensatz zu dem, was die Publikumsverlage heute machen.